Die Chamisso-Schreibwerkstatt am
Theodor-Heuss-Gymnasium


Wir am Theodor-Heuss-Gymnasium im Herzen von Recklinghausen-Süd haben uns zum Ziel gesetzt, nicht nur Lernraum, sondern auch Lebensraum für unsere Schülerinnen und Schüler zu sein. Dabei sind wir den Familien zuverlässige Partner. Unterrichtsausfall in der Sekundarstufe I ist bei uns z.B. die absolute Ausnahme. Alle unsere Mitarbeiter verstehen sich als Teil einer lernenden, sich entwickelnden Schule, für die das Wohl der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt steht.

Bei uns im Schulgebäude gibt es viele Möglichkeiten für Bewegung und Ruhe. In den Pausen steht allen ein Pausencafé zur Verfügung, das von Eltern organisiert wird, und es bestehen Essens- und Studienmöglichkeiten in unserer modernen Mensa.

Unterricht wird bei uns durchgehend in Fachräumen erteilt. Das hat viele Vorteile: Wörterbücher und Lehrwerke vor Ort, flexible Medienausstattung und eine persönliche, durch den jeweiligen Fachlehrer geprägte Atmosphäre.


Das Buddy-Projekt am THG

Das Theodor-Heuss-Gymnasium hat sich mit breiter Zustimmung aller Entscheidungsgremien von der Lehrer- bis zur Schulkonferenz im Frühjahr 2011 auf den Weg gemacht, die Gestaltung des Schullebens in Zusammenarbeit mit „buddY E.V.“ zunehmend in die Hände von Schülerinnen und Schüler zu legen. Diese werden begleitet von drei Buddy-Coaches, die Schülerinnen und Schüler dazu ausbilden, selbst Verantwortung für den Lebensbereich Schule zu übernehmen.

Buddy legt besonderen Wert darauf, dass alle Entscheidungen allein von Schülerinnen und Schülern getroffen werden. Am THG bedeutete dies bisher konkret: Am Projekt beteiligte SV-Vertreter haben die komplette Schülerschaft in Klassenvorträgen über das Buddy-Programm, seine Ziele und Möglichkeiten unterrichtet.

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Theodor-Heuss-Gymnasium

Theodor-Heuss-Gymnasium
Theodor-Körner-Str. 25
45661 Recklinghausen

Partner-Lehrer: Matthias Bos
Chamisso-Autorin: Léda Forgó

  • Chamsisso-Schreibwerkstatt Recklinghausen
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Léda Forgó

Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis 2008


geboren 1973 in Kazincbarcika/ Nordungarn, aufgewachsen in Budapest. Während der Schulzeit Kinderdarstellerin in mehreren Spielfilmen und Theaterstücken. 1991/92 Regieassistentin beim Ungarischen Rundfunk. Studium der Geschichte erst in Pecs/Südungarn, ab 1994 in Stuttgart, anschließend dort Studium des Figurentheaters.
1998 Umzug nach Berlin, 2011 in ein Dorf in Schleswig-Holstein, wo sie seither mit ihren Kindern lebt. 2002 hat sie den Studiengang »Szenisches Schreiben« an der Berliner Universität der Künste abgeschlossen, vorher und danach zahlreiche Theaterstücke, Monologe, Minidramen verfasst, Kurzgeschichten und eine Kinderbuchreihe geschrieben.
Ihr Stück »Onkel Gol und die Wespen« wurde im Jahr 2002 im Rahmen der Göttinger Dramatikerwerkstatt aufgeführt.


Leseprobe

Als er das erste Mal einen Konzertsaal betrat, wurde ihm klar, dass er Pianist war. Er war zwanzig Jahre alt. Er hatte noch nie ein Instrument in der Hand gehabt, geschweige denn je Klaviertasten berührt. Er hatte noch nie den Namen Rachmaninow gehört, aber als er dessen Klavierkonzert durch ein offenes Fenster hörte, blieb er stehen. Er wollte eigentlich zu Pizza Hut, denn er hatte einen Bärenhunger. Er hatte keine Ahnung, dass ihn sein Weg an der Musikakademie vorbei führte. Den Hunger vergaß er, als die Töne heraus sickerten und wie kleine, scharfe, farbige Stiche in sein Hirn stachen. Er steuerte auf den Eingang zu und betrat den Konzertsaal. Zum Glück war die Pause schon vorbei, so wurde er nicht aufgehalten. Er ließ sich in der letzten Reihe nieder. Eine virtuos schwappende Tonleiter kroch unter seine Haut. Auf seinen Wangen, in seinen Ohren und auf dem Hals glühten rote Flammen. Wenn er aufgeregt war, bekam er an diesen Stellen rote Flecken.
In seiner Brust hämmerten große Gewichte und er hatte Angst, dass sie die Bauchwand durchbrechen und in seinen Unterleib rutschen würden. Ihm war weinerlich zumute, er hatte das Bedürfnis sich zusammenzurollen. Gleichzeitig überkam ihn eine Seligkeit, dass er am liebsten nach vorne gerannt wäre, um direkt bei der Quelle der Töne zu sein. Er grinste wie ein Idiot.
Dann stachen die Töne zu. Als ob all seine je empfundenen Schmerzen aus ihm herausgebrochen seien. Sie nagelten ihn an den Stuhl. Das Grinsen gefror auf seinem Gesicht. Er hatte das Gefühl, als ob man ihm Blei in die Ohren gegossen hätte. Es wurde ganz still in ihm. Er verschwand. Er wurde zum Stromleiter. Seine Augen wurden rund und er starrte auf die rechte Schulter eines vor ihm sitzenden Herrn. Sein Körper war reglos etwas nach vorne gebeugt. In einer biegsamen Spannung, wie ein sehniges Tier kurz vor dem Sprung. Bei manchem Einsatz zuckte der Körper nur leicht.
Wenn seine Mutter ihn jetzt gesehen hätte, hätte sie gedacht, er habe einen epileptischen Anfall oder er würde sterben. Aber so hatte sie ihn nie gesehen. In ihrem Haus war Musik verboten.

Die Töne begannen sich in seinem Kopf zu zerteilen. Er konnte sich nicht wehren. Die Stimmen trennten sich und zeichneten eigene Kurven vor seinen Augen. Er sah Striche nebeneinander laufen wie bei einem EKG-Schreiber. Das war seine Art, die Töne zu sehen, da er keine Noten kannte. Schon beim ersten Anhören war für ihn die Melodie wie ein gelöstes Rätsel, wie ein 3DBild, bei dem sich nach längerem Betrachten eine versteckte Figur herauswölbt. Er hörte sie zum ersten Mal und kannte diese Musik. Er, der bis heute dem Taubengurren in der Hauswand lauschte und dem Streifen des Windes im hochgewachsenen Gras.

Bis zu diesem Tag hatte es für ihn Musik ohne Instrumente gegeben. Das Universum war für ihn in Geräuschquellen aufgeteilt: die des Glücks und die der Qual. Glück waren Hagelkörner an Fensterscheiben. Uhrticken. Tropfende Wasserhähne. Kochwasser. Schritte auf Kies. Das Pfeifen des Windes. Hämmern einer Schreibmaschine. Klappern von Besteck am Porzellangeschirr.

Léda Forgó

Auszeichnungen:

Anerkennungspreis des Hohenemser Literaturpreises, 2013.

Léda Forgó erhielt zahlreiche Stipendien, u.a. war sie Stipendiatin der Friedrich-Naumann-Stiftung, 2000-2002; Stipendium des Berliner Senats; 2000; Einladung zur Göttinger Dramatikerwerkstatt, 2000; Alfred-Döblin-Stipendium, 2010; Stipendium Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, 2011; Literaturstipendium des Landes Baden-Württemberg, 2012; Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein, 2012;

Bücher:

Vom Ausbleiben der Schönheit.
Roman. Rowohlt Verlag, Berlin 2010

Der Körper meines Bruders.
Roman. Atrium Verlag, Zürich 2007